Sterbebegleitung

Die Sterbebegleitung, ein schwieriger Weg für alle Beteiligten...

Ich hatte am Wochenende die Gelegenheit zum gegenseitigen Austausch mit dem ehrenamtlichen Sterbebegleiter Werner Kuchback. Er ist wie ich auch im Thema Sterbebegleitung aktiv. Somit hatten wir beide einmal die Möglichkeit des gegenseitigen Austausches. Werfen Sie einen ganz persönlichen Blick hinter das schwierige Thema Sterbebegleitung.

sterbebegleitung
Sterbebegleitung - der schwierige letzte Weg 


Ehrenamtliche Sterbebegleitung:

Hallo Werner, schön dass wir beide jetzt bei einer Tasse Kaffee einmal die Möglichkeit haben, über unsere gemeinsame ehrenamtliche Tätigkeit zu sprechen. Wie auch bei Dir, widme ich einen Teil meiner Tätigkeit der Sterbebegleitung. Bei mir persönlich ist es ja so, dass ich durch meine Tiefe auch kirchliche Verbundenheit den tiefen Wunsch verspüre, Menschen zu Helfen. Gerade in der Situation des Sterbens sind Menschen oft alleine, weil Angehörige bzw. Familie mit einer solchen Situation überfordert sind und oft aus beruflichen Gründen es nicht möglich ist, sich so um Kranke, leidende oder sterbende Menschen zu kümmern. In entsprechenden Einrichtungen oder Hospizen wird natürlich das Bestmögliche für einen sterbenden Menschen getan, dennoch kann man hier nur bis zu einem bestimmten Grad einem Menschen die persönliche Teilnahme und Betreuung im Sinne einer Sterbebegleitung entgegenbringen, die er eigentlich braucht. Was ist Dein Antrieb für die Sterbebegleitung, Werner?

Sterbebgleitung in Zeiten sozialer und menschlicher Kälte:
Ja, bei mir ist das ganz ähnlich. Ich meine, es ist ein Grundbedürfnis eines Menschen, anderen Menschen zu helfen. Bei dem einen ist dies sehr ausgeprägt, bei dem anderen weniger. Gerade in einer Welt, die geprägt ist von wirtschaftlicher und auch zunehmender sozialer Kälte und Nöten, wird es immer schwieriger Menschen zu finden, die bereit sind sich für andere aufzuopfern, einzusetzen oder ebend auch Menschen beim Sterben zu begleiten. Man muss es einmal ganz klar sagen, es ist zunehmend so, dass (Überlebens-)Egoismen unsere heutige Gesellschaft immer mehr prägen. Der Fokus wird in Zukunft auch immer mehr auf sich selbst liegen. Dies zieht sich über alle Bereiche des Lebens, sowohl des Arbeitslebens als auch des sozialen Lebens. Die Zeiten der Familiengemeinschaften mit dem Ansatz, dass jeder für jeden einsteht, sind vorbei. Es wird ja oftmals gesagt, die Zeiten der Familiengemeinschaften (alle wohnen unter einem Dach und helfen einander) werden wiederkommen, in wirtschaftlich sehr schwierigen Zeiten die auf uns noch zukommen werden. Ich persönlich glaube nicht daran. Die persönlichen Egoismen, gerade auch bei den folgenden Generationen sind einfach zu gross, als das man wirklich glauben kann, dass es wieder zu einem Zusammenleben und Helfen im Familienbund geben wird. Die Bereitschaft zu helfen im allgemeinen lässt in unserer Gesellschaft einfach nach. Das soll nicht vorwurfsvoll klingen, aber ich habe den Eindruck, dass mehr und mehr Menschen immer mehr nur an sich denken. Das eigene Fortkommen, das eigene angenehme Leben. Schau Dir doch die aktuellen Ereignisse an, wo es darum geht, aktiv Menschen zu helfen die in Not sind (gemeint sind die Geschehnisse in U-Bahnen, in denen Menschen die "helfen" zu Tode kommen oder schwer verletzt werden, wobei andere wegschauen).

Um wieder zum Thema Sterbebegleitung zu kommen...schau doch nur mal den Pflegebereich an. Da gibt es Menschen, die diese sozialen Berufe aus Profession ergreifen und leisten hier eine Arbeit für ein paar Euro, von denen ein vernünftiges Leben nur schwer möglich ist. Man müsste die Menschen, die für diese Entwicklungen verantwortlich sind, einmal im Pflegebereich eine Woche hospitieren lassen, um beurteilen zu können, welche Auswirkungen auch politisches Wirken auf Pflegebedürftige und Kranke hat. Kaum noch Zeit des Pflegepersonals, Deckung der Pflegegrundbedürfnisse. Aktuell gab es ja eine Untersuchung von Seniorenheimen. Erschreckend, wenn ein nicht unerheblicher Anteil hieran mit einem "Mangelhaft" versehen wird. Sowas dürfte es im Pflegebereich nicht geben... so und jetzt habe ich mich auch genug aufgeregt. Spannen wir wieder den Bogen zur Sterbebegleitung.

Ich arbeite ehrenamtlich in einem Palliativ- und Hospizdienst einer kirchlichen Vereinigung. Da ich jetzt im Ruhestand bin, habe ich die Zeit um mich in den Dienst der Sterbebegleitung zu stellen. Ich habe immer nach einer Aufgabe im sozialen Bereich gesucht, weil ich anderen Menschen in Not schon immer helfen wollte. Auf das Thema Sterbebegleitung bin ich gekommen, als ich meine Mutter im Seniorenheim auf Ihrem letzten Weg zum Tod begleitet habe. Von da an ist mir bewußt geworden, wie wichtig es ist, dass in einer solchen Situation jemand da ist, der sich so um einen leidenden und sterbenden Menschen kümmert, wie man es selber erwarten würde in einer solch schwierigen Situation.

Wenn ich Menschen erzähle, dass ich in der Sterbebegleitung tätig bin, höre ich immer... das könnte ich nicht. Wie machst Du das... das geht doch an Dir nicht einfach vorbei... Und ja, natürlich geht eine jede Sterbebegleitung nahe. Ärzte bauen ja bei Operationen aus Selbstschutz eine sachliche Distanz zu Ihren Patienten auf. Ansonsten würden Sie ja auch ganz schnell psychisch derart beschädigt, dass an Operationen nicht mehr zu denken wäre. Das gelingt ja nun leider nicht allen Ärzten, auf die Folgen, die hieraus entstehen, möchte ich jetzt aber nicht weiter eingehen, weil diese oft in einer gewissen persönlichen Tragik enden.

Ich muss mich bei meiner Tätigkeit nicht De-Emotionalisieren, die Emotionen und Gefühle, dass heißt einem Menschen Fürsorge  zukommen zu lassen, sind ein wichtiger Teil der Sterbebegleitung, psychisch wie körperlich im Sinne vom Halten der Hand, sensitiven Berührungen und das zuhören und Anteilnehmen. Der Lohn hierfür ist die tiefe, tiefe Dankbarkeit die man verspürt, wenn man einen Menschen auf seinem letzten Weg begleitet. Manchmal ist der Tod eine Erlösung von langem Leid und Schmerzen, ich assoziere den Tod mit Frieden. Die Sterbebegleitung ist für mich denn auch eine Begleitung in den Frieden eines Menschen. In der Sterbebegleitung ist es allerdings auch wichtig, dass man nicht zu sehr emotional mitleidet, dann kann einen die Sterbebegleitung natürlich auch Schaden in Physis und Psyche hinzufügen. Man fühlt immer mit. Man darf und sollte aber nicht mitleiden, dann verliert man auch die nötige Fähigkeit, einem Menschen den nötigen halt zu geben.


Sterbebegleitung und Emotionen:
Du hast ja jetzt eher von den emotionalen Aspekten gesprochen. Nun gibt es ja auch die alltäglichen Dinge, bei denen wir bei der Sterbebegleitung Unterstützung leisten...


Sterbebegleitung heisst nicht Mitleiden:
Ja, natürlich... viele Menschen assoziieren oder reduzieren eine Sterbebegleitung aufgrund fehlenden Wissens mit am Bett sitzen und Mitleiden. Die Sterbebegleitung bedeutet bei uns natürlich auch in entsprechendem Maße, alle Dinge des täglichen Lebens für und mit einem sterbenden zu organisieren. Ob das nun der Einkauf ist, Behördenangelegenheiten, Ausfüllen von Anträgen und Formularen und vielem mehr. 


Wie kommt man zur Sterbebegleitung:
Vielleicht kannst Du auch noch mal kurz darauf eingehen, welchen Weg Du genommen hast, um in der Sterbebegleitung zu arbeiten...

Sterbebegleitung autodidaktisch und diakonische Schulung:
Ich habe, anders als Du, die in das Thema ja quasi hereingewachsen bist, bei meiner städtischen Diakoniestation eine ca. dreivierteljährige Schulung mitgemacht. An dieser Stelle darf ich auch noch mal sagen, dass ich Dich und Deine Arbeit bewundere. Ich habe selten einen Menschen kennengelernt, der sich so kümmert und so intensiv hilfst wie Du. Gerade auch, weil es das Leben ja auch mit Dir nicht wirklich gut meint, was die Gesundheit angeht. Ich habe durch unsere Gespräche und auch durch die Hospitanz bei Dir ganz viel dazugelernt. Ich möchte mich an dieser Stelle auch noch einmal ganz herzlich bedanken.

Wenn Sie Interesse an einer Mitarbeit in der Sterbebegleitung haben, oder aber weitere Fragen haben, dann nehmen Sie bitte über die Seiten Kontakt mit mir auf (über den Punkt "Kontakt").

Ihre Maria Lentz