Kirche und Tod (Tag4)

Heute berichte ich Ihnen nach einer kleinen Pause wieder von meinem Alltag als ehrenamtliche Seniorenbetreuuerin.
Meine heutige Begegnung mit Frau Mica ist gezeichnet von Gesprächen über den Tod und den Glauben.

Am Seniorenheim angekommen, öffnete Sie mir die Tür nur einen kleinen Spalt und flüsterte durch den Türspalt, dass Sie heute keine Zeit für mich hat. Wie bei fast jedem Besuch hatte ich Ihr eine kleine leckere Aufmerksamkeit, einen Kuchen, mitgebracht. Ich fragte Sie, ob ich ihr den Kuchen schenken dürfe. Sie bat mich dann doch hinein, sagte aber, dass sie wirklich nur einen kleinen Augenblick Zeit habe.

Sie war heute sehr verwirrt und erzählte mir, dass Sie sehr viel Arbeit habe, weil sie ihren Mann und ihre Mutter versorgen müssen. Insgesamt erzählte Sie, dass es ihr gar nicht gutginge und sie auch nirgendwo hinwolle.

Tod und Kirche


Tod, Glaube und Kirche

Ich richtete ihr einen Teller mit Obst an. Sie ass mit mir ein paar Mandarinen und wir sprachen über den Tod, Ihren Glauben und die Kirche. Sie erzählte mir davon, dass Sie Angst habe zu sterben und gestern in der Kirche war um zu beten. Zu beten für noch ein paar erfüllte Tage in Ihrem Leben. Sie sagte mir auch, dass sie es sehr schätzt, dass ich so ein gläubiger Mensch sei.

Sie erzählte sie mir, dass sie gestern eine Frau an Ihrer Tür stand, die vorgegeben hat, von der Kirche zu kommen. Sie hat diese Kirchen-Frau jedoch nicht hineingelassen. Ich habe mich mit mir unterhalten und ihr gesagt, dass es richtig war. Um sie ein wenig abzulenken habe ich sie gefragt, ob sie ein Lieblingslied hat. Ja, das hat sie, aber es fällt ihr partout nicht ein. 

Ich sang für sie einige alte auch polnische Lieder und sie freute sich hierüber sehr. Dann erzählte sie mir von ihrer Flucht nach Deutschland. Sie erzählte mir auch von dem tragischen Tod ihres Vaters, der im Kriege in Russland fiel. Sie konnte sich noch genau an die Beerdigung erinnern. Sie sagte, dass bei der Bestattung die Sonne zwischen den Wolken hindurchblitzte und auf seinen Sarg fiel.

Dann war auch schon der Abend angebrochen und ich musste mich verabschieden. Ich wünschte ihr eine gute Nacht, sie treichelte meine Wange, bedankte sich herzlich für meinen Besuch und sagte ich solle gut nach Hause kommen.